
Rund 40 Bürgerinnen und Bürger besuchten am 26. Juli 2026 im Schützenheim den Informationsabend der Grünen Meitingen zur geplanten DK-0-Deponie an der ehemaligen Creaton-Grube. Auf die Veranstaltung aufmerksam geworden waren viele durch die kostenlos in Langenreichen verteilte Ausgabe der „Grüsonanz“, in der das Vorhaben und erste offene Fragen vorgestellt worden waren.
Alexander Yacine Ghoggal, Sprecher der Grünen Meitingen sowie Marktgemeinderat und Fraktionssprecher, berichtete über die Planungen und die von ihm ausgewerteten Unterlagen. Diese hatte er bereits vor Zugang bei der Marktgemeinde durch mehrere Anfragen und langer Diskussion mit Behörden, nach dem Umweltinformationsrecht erhalten.
Im Mittelpunkt standen die Dimensionen des Vorhabens, Widersprüche und offene Fragen in den Unterlagen sowie die Möglichkeiten der Marktgemeinde und der Bevölkerung im Planfeststellungsverfahren Einfluss zu nehmen. Dabei hob der Rechtsanwalt, der in seiner politischen Funktion als Marktgemeinderat und Sprecher der Grünen einlud und sprach, diverse Probleme hervor, auch solche, die er in der Grüsonanz aus platztechnischen Gründen nicht anbringen konnte.
„Dieses Projekt kann die Menschen in Langenreichen rund 38 Jahre lang und wegen der eingelagerten Abfälle auch weit darüber hinaus beschäftigen. Deshalb müssen wir jetzt alles daran setzen, für Langenreichen das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Diese Anstrengungen dürfen die Bürgerinnen und Bürger auch von der Marktgemeinde und vom Marktgemeinderat erwarten„, erklärte Ghoggal.

Offene Fragen bei Hochwasserschutz und Entwässerung
Ein Schwerpunkt des Abends war der Hochwasserschutz. Langenreichen war in der Vergangenheit mehrfach von Wasser betroffen, das auch aus Richtung des geplanten Deponiestandorts in den Ort floss und dies sogar trotz vorhandener Senke. Geplant ist zukünftig, auf der Senke einen Deponiekörper, der etwa 24-25 Meter über das derzeitige Geländeniveau hinausragen soll.
Damit stellt sich die Frage, wie sich der künftige Abfluss des Regenwassers auf Langenreichen auswirkt. Nach Auffassung Ghoggals behandeln die vorliegenden Unterlagen diese Veränderung und mögliche Auswirkungen auf den bestehenden Hochwasserschutz bislang kaum. Erforderlich sei ein nachvollziehbarer gutachterlicher Vergleich des heutigen Zustands mit sämtlichen Bau-, Betriebs- und Endzuständen der Deponie.
Auch der Schutz des Grundwassers wurde ausführlich besprochen. Die Planung geht einerseits von vorhandenen Ton- und Schluffschichten aus, sieht aber zugleich weitere ggf. technische Nachbesserungen während des Deponiebaus vor, falls die Ausgangslage sich anders zeigen sollte. Damit ist nach Ansicht der Grünen nicht flächendeckend und abschließend geklärt, wo die natürliche Barriere tatsächlich ausreicht und wo zusätzliche technische Maßnahmen notwendig werden.
Verkehr, Haftung und Radweg
Ein weiteres Thema war die Zufahrt zur Deponie. Diskutiert wurde insbesondere, was während einer Sperrung der vorgesehenen Strecke geschehen würde. Eine Umleitung des Schwerlastverkehrs durch Langenreichen müsse ausgeschlossen werden. Stehe keine geeignete und genehmigte Alternativroute zur Verfügung, müsse die Anlieferung vorübergehend ruhen.
Aus der Versammlung selbst kamen Fragen zur finanziellen Haftung bei möglichen Schäden und zur langfristigen Absicherung der Nachsorge, insbesondere bestand die Sorge, dass der Betreiber sich seiner Verantwortung entziehen könnte und die Kosten der Allgemeinheit auferlegt werden könnten.
Mehrfach angesprochen wurde außerdem der bestehende Fuß- und Radweg. Dieser werde bereits heute als unfallträchtig wahrgenommen, weshalb wirksame Schutzmaßnahmen erforderlich wären.
Zweifel an der Standortwahl
Breiten Raum nahm auch die von Zech vorgelegte Alternativenprüfung ein. Diese soll begründen, warum gerade Langenreichen gegenüber anderen Standorten ausgewählt wurde. Ghoggal erläuterte, weshalb die Prüfung aus seiner Sicht nicht überzeugt: Der Suchraum wurde um den bereits gewünschten Standort gelegt, mehrere Vergleichsflächen waren von Beginn an kaum verfügbar oder problematisch, und die rekultivierte Fläche in Langenreichen wird weiterhin als „ungenutzt“ dargestellt.
Zudem würden wirtschaftliche Vorteile wie Grundstücksverfügbarkeit, bestehende Zufahrt und möglicherweise geringe technische Kosten stark gewichtet. Nicht überzeugend beantwortet werde dagegen, ob ein weiter von Wohnbebauung entfernter Standort mit technisch hergestellter Barriere für Mensch und Umwelt insgesamt weniger belastend wäre. Insbesondere die Erweiterung von schon vorhandenen Deponien wird nicht einmal in Betracht gezogen.
Beteiligung ausdrücklich erwünscht
Zum Abschluss erläutert Ghoggal, was die Marktgemeinde und die Bürgerinnen und Bürger tun können. Die Marktgemeinde entscheidet zwar nicht selbst über die Genehmigung, kann aber eine ausführliche Stellungnahme abgeben, eigene Belange geltend machen, fehlende und widersprüchliche Unterlagen rügen, Nachbesserungen und Schutzauflagen verlangen sowie auf mögliche Rechtsverstöße hinweisen.
Auch Bürgerinnen und Bürger können Einwendungen erheben und ihre persönliche Betroffenheit schildern, etwa durch Hochwasser, Verkehr, Lärm, Staub, einen privaten Brunnen oder die Nähe des Wohnhauses. Ghoggal bot auch hier an, in seiner Funktion als Marktgemeinderat bei der Formulierung zu unterstützen. Zudem bat er um örtliche Hinweise und Informationen, die für die weitere Prüfung wichtig sein könnten.

Gleichzeitig warnte er vor falschen Erwartungen: Eine vollständige Verhinderung der Deponie werde voraussichtlich schwierig. Umso wichtiger sei es, Risiken frühzeitig aufzuzeigen, offene Fragen klären zu lassen und möglichst wirksame Schutzmaßnahmen für Langenreichen durchzusetzen.
Der Marktgemeinderat berät am 29. Juli 2026 ab 18 Uhr im Bürgersaal über die Stellungnahme des Marktgemeinderats. Auch Ghoggal hat einen Antrag zur Beratung eingebracht.
Alexander Yacine Ghoggal
